500 Namen, die Sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten

Ja, die Namenswahl ist durchaus verzwickt. Die Sprachmelodie von Vor- und Nachnamen müssen perfekter aufeinander abgestimmt sein als Beethoven’s “5. Sinfonie”. Die Namensbedeutung dem zukünftigen Kind auf den Leib geschrieben sein – schon vor der Geburt versteht sich. Die eiskalte Realität sieht anders aus: Modenamen, Kurzformen und Bastelvarianten. Viele Eltern merken gar nicht, was sie mit ihrer obskuren Namenswahl dem Empfänger alles antun.

Vornamen.ch-Redaktion meint: 6 von 6 Sternen

Wir von http://www.vornamen.ch haben den Inhalt gelesen, analysiert und verglichen. Neben der exakt abgeleiteten Bedeutungen der Namen, hat der Autor noch weitere treffsichere Erklärungen zu den Vornamen. Einfach fabelhaft!

Ernst beiseite! 500 Namen, die Sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten

Dieser Buchtipp zum Thema Vornamen stammt vom rororo-Verlag. Spannend, unterhaltsam und interessant, wie hier der Autor William Wahl schreibt. Hier gibt es eine Kostprobe:

Mit dem Namen scheint die Zukunft eines Kindes vorbestimmt: Kann eine Jacqueline Vorstandsvorsitzende werden und eine Walburga in einer Medienagentur arbeiten? Warum darf ein Kind im Schwabenland auf keinen Fall Astrid heissen? Wird Gretel gehänselt? Weswegen gelten Petras als hässlich? Und verwechseln Japaner Lionel tatsächlich stets mit Rainer? William Wahl nennt die schlimmsten Namenssünden und warnt dabei vor einigen Klassikern ebenso wie vor Modenamen.

Ein altes Sprichwort sagt: Nomen est omen, der Name ist ein Zeichen. Aus gutem Grund ist dieses lateinische Reimwort noch heute gültig; denn Namen haben immer etwas zu bedeuten. Damit ist nicht unbedingt die wörtliche Bedeutung gemeint. Dass Maria «die Wohlgenährte» bedeutet und Philipp «der Pferdefreund», heisst nicht, dass es nicht auch dürre Marias und pferdescheue Philipps geben könne. Namen stehen für viel mehr: Sie sagen uns etwas über Traditionen, über Moden, und fast immer spiegeln sich in ihnen Wünsche, Träume und Vorlieben der Eltern wider. Für die Wahl eines Vornamens können Vorbilder aus der Verwandtschaft, dem Freundeskreis, aus Büchern oder aus dem Fernsehen ausschlaggebend sein, manchmal ist es auch nur ein Buchstabe.

Mein Patenkind heisst Johanna. Es ist die Tochter meines Cousins Julian und seiner Frau Jessica, die übrigens in allem das Gegenteil dessen ist, was auf Seite 90 über Jessicas behauptet wird. Drei Jotts in der Familie haben Massstäbe gesetzt. Als ein zweites Töchterlein unterwegs war, stand fest, dass sein Name wieder mit einem J beginnen solle. Modische Varianten wie Jennifer oder Jolina schieden aber aus. Auch Jacqueline kam nicht in Betracht. Nach reiflicher Überlegung entschieden sich die Eltern für Josephina.
Auch bei meinem Namen war der Anfangsbuchstabe bewusst gewählt. Ich hätte nämlich genauso gut Sebastian heissen können. Aber meine umsichtigen Eltern wollten mir die Initialen SS ersparen.

Vor einiger Zeit war ich in München in einer Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks zu Gast. Im Publikum sassen zwei Schulklassen, die interessiert zuhörten. Nach der Sendung stellten sich die Schüler für ein Autogramm an. Artig nannte mir jeder seinen Vornamen: Der erste hiess Florian, der zweite Christian, der dritte Julian. Allesamt wohlklingende, bildungsbürgerliche Namen, stellte ich fest. «Das sieht gut für euch aus, Jungs», sagte ich, «euch werden im Leben viele Türen offen stehen!» Die Schüler waren erstaunt und wollten wissen, wie ich anhand der Vornamens auf ihre Zukunft schliessen könne. Ich erzählte ihnen von einer Studie, die ergeben habe, dass Kinder mit bestimmten Vornamen bessere Bildungschancen hätten als andere. Klassische Namen auf -ian wie Maximilian, Fabian, Sebastian würden eher mit Talent und Fleiss assoziiert als Namen wie Robin oder Justin. Besonders Kevin habe sich der Studie zufolge als stereotyper Vorname für einen «verhaltensauffälligen» Schüler herausgestellt. Den haben seine Eltern offenbar zu lange «allein zu Haus» gelassen, scherzte ich und wandte mich wieder dem Signieren zu. Der nächste Junge trat vor, und als ich ihn fragte, wie er heisse, sah er mich pfiffig an und sagte: «Martian!»

Eine Sekunde herrschte Stille, dann brachen die anderen Schüler in schallendes Gelächter aus. Welch eine Schlagfertigkeit, dachte ich. Innerhalb weniger Sekunden eine komplexe Information zu verarbeiten und für sich und sein Leben umgehend Konsequenzen daraus zu ziehen, das ist schon eine Leistung! Unter allen klugen Kindern aus München war dieser Martin zweifellos ein ganz besonderes Exemplar.
Die Wahl eines Vornamens will gut überlegt sein. Dieses Buch gibt Rat in Zweifelsfällen. Und wer wäre geeigneter, uns zu erklären, was es heisst, einen Namen wie Justin oder Kevin zu tragen, als ein William? Viel Vergnügen beim Lesen!

ABBAS

Abbas hat mit der fast gleichnamigen schwedischen Popgruppe nichts zu tun, sondern ist ein männlicher Vorname arabischen Ursprungs und leitet sich ab von abbas = «streng/ finster». Alles, was recht ist: Streng und finster sind keine Attribute, mit denen man sein Söhnchen preist! Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Mit diesem Namen kommt jeder schlecht drauf.

ABIGAIL

Wussten Sie, dass Aachen eigentlich Bad Aachen heisst und diesen Namensbestandteil nur gestrichen hat, um nach dem Alphabet als Erstes genannt zu werden? Ein ähnliches Vorhaben ist der einzig halbwegs nachvollziehbare Grund, aus dem man seine Tochter mit einem solchen Namen bestrafen sollte. Nur, was nutzt es ihr, in der Schule als Erste dranzukommen, wenn das lediglich die Liste derer verlängert, die sie danach für ihren Namen hänseln? Da hat die Vaterfreude (hebräisch Abigail) schnell ein Ende, wenn der Tochterhass erst so richtig zum Tragen kommt. Und ausgemacht ist es auch nicht, dass das Abi geil wird.

ABLA

Abla ist ein arabischer Vorname, leitet sich ab von arabisch ‘abla und bedeutet «Frau von üppiger Statur». Ohne Worte.

ACHIM

Achim ist einer der wenigen Jungs, die eine eigene Ausfahrt haben. Dabei ist der die dortige A1 umgebende Landstrich so öde wie der Name, der langweiligerweise nichts anderes als die Abkürzung von Joachim (hebräisch: «Jahwe möge aufrichten») darstellt. Mit beiden Achims braucht man sich also nicht weiter aufzuhalten.

ACHJE

Holländische Kurzform von Agathe (griechisch agathós = gut) und fleischgewordener Stossseufzer der Eltern. Aber irgendwie auch süss und in jedem Fall besser alsAchgott, Achdumeinegüte und Achduheiligescheisse.

ADEYEMI

Dieser unüberhörbar afrikanische Name stammt von den nigerianischen Yoruba, er bedeutet «Braun steht mir gut». Eigentlich ist das ein originelles Statement, aber in Anbetracht der Tatsache, dass in unseren Breiten Braun die unbeliebteste Farbe von allen ist, eine weniger gute Idee. Einen Namen namens «Braun steht mir gut» wollen nur Neonazis tragen, aber für die geht ja nichts von Negern! Da beisst sich die Katze in den Schwanz.

ADOLF

Aus naheliegenden Gründen seit 1945 kaum noch vergeben, klingt Adolf wie alle auf -olf endenden Vornamen zwar altmodisch, ist aber im Bedeutungsvergleich zu Neidhart und Gunther harmlos. Denn Adolf leitet sich von Adalwolf ab – adal heisst althochdeutsch «edel» und bezieht sich auf eine edle Abstammung, wolf meint das Tier. Nun, schade ist es um den Namen trotzdem nicht.

Die zehn übelsten Vornamen historischer Tyrannen Bestimmte Namen lassen uns einen Schauer über den Rücken laufen, sie haben sich als Namen des Bösen ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Da gibt es fiktive Bösewichte wie den Kannibalen Hannibal (Lecter), das mörderische Muttersöhnchen Norman (Bates) aus Hitchcocks Psycho und Narbengesicht Freddy (Krueger). Aber leider existiert das Böse auch in der Realität. Unter anderem in der Gestalt von Tyrannen, Gewaltherrschern und Diktatoren; und es sei jedem empfohlen, sich von den entsprechenden Namen fernzuhalten. Das gilt hauptsächlich für die Jungennamen, Namen weiblicher Schreckensherrscherinnen wie Maggie und nHeidi sind unbedenklicher. Die verwendeten Namen wurden alphabetisch angeordnet, um Wertungen zu vermeiden. Es wurde sich darauf beschränkt, nur bereits tote Diktatoren in die Liste aufzunehmen, um Rechtsstreitigkeiten und lästige Auseinandersetzungen auszuschliessen. Gruppen, die sich durch die Auswahl trotzdem gestört fühlen, wenden sich bitte nicht persönlich an den Autor, sondern immer an den Verlag. Und bevor sich die NPD beschwert: Adolf läuft ausser Konkurrenz.

  1. Benito
  2. Joseph
  3. Idi
  4. Kim
  5. Mao
  6. Muammar
  7. Nicolae
  8. Pol
  9. Saddam
  10. Slobodan

ADOLPHINE

Unter einem Polytrauma versteht man in der Medizin das gleichzeitige Vorliegen mehrerer lebensbedrohlicher Verletzungen. 2 Hier scheint es sich um etwas Ähnliches zu handeln: Der Name krankt sowohl an seinen historischen Bezügen wie an der grotesken Kombination aus althochdeutscher Grimmigkeit und verniedlichendem Feminisierungssuffix. Hier kommt jede Rettung zu spät: Adolphine ist ein Name, den man getrost als onomatologisches Polytrauma bezeichnen kann.

ADONIS

Seinen Sohn Adonis zu nennen, ist ein starkes Stück. Bekanntermassen war der aus der griechisch-römischen Sagenwelt stammende Adonis ein über alle Massen hübscher Knabe, und anscheinend soll Ihr Sohn auch so einer werden. Doch ein solcher Name ist ein Versprechen, das erfüllt werden muss. So schön Sie auch selber sein mögen, es ist noch lange nicht gesagt, dass das für Ihren Kleinen auch zu treffen wird. Dann schon lieber Quasimodo, da ist Luft nach oben.

AGNES

Agnes ist ein aus dem Griechischen stammender Name, er leitet sich ab von griechisch hagnós, was «keusch/rein» bedeutet. Ironischerweise müssen sich Mädchen namens Agnes keine Sorgen um die Keuschheit machen: Der Name macht sie so unattraktiv, dass sie kaum Gelegenheit bekommen werden, ihn anzuwenden.

AIMÉE

Ein Name, den Eltern hoffentlich mit Amy verwechselt haben. Sollten sie wirklich Aimée gemeint haben, bedeutet das (aus dem Französischen) bekanntermassen «geliebt» und beweist in seinem angeberischen Duktus eigentlich nur die eigene Selbstverliebtheit. Für Eltern, die ihre Tochter Aimée nennen möchten, tut es unter Umständen auch einfach eine Käthe-Kruse-Puppe.

ALDIS

Aldis ist ein lettischer Name. Falls Sie ihn schön finden, sollten Sie in eigenem Interesse einen kurzen Blick auf die Bedeutung des Namens werfen. Aldis leitet sich ab vom lettischen aldeit, und das heisst schlicht und einfach «lärmen». Überlegen Sie also noch mal neu, Ihre akustische Psychohygiene sollte es Ihnen wert sein.

ALEXANDER

Seit Jahren in der Spitzengruppe unterwegs. Eher unbegreiflich. Möchte ich, dass mein Sohn ein blasierter Langweiler wird, nenne ich ihn Alexander. Ursprünglich (griechisch) der «Männerabwehrende», was nicht homophob, sondern beschützend gemeint war. Der prototypische Alexander unserer Tage beschützt keine Witwen und Waisen mehr, sondern nur noch seine Schnecke, meist eine Jessica.

ALFRED

Witzig: Wenige Namen klingen so bierernst und hausbacken wie dieser, dabei ist Alfred eine der grossen poetischen Ausnahmen der deutschen Sprache. Denn Alfred ist der, der «mit Elfenhilfe rät»! Wenn Sie aber jetzt nach anderen versteckten Schätzen mit Esoterikbezug suchen wie Orkan (der Orks ahnt) oder Feodora (die nach Fee riecht), werden Sie enttäuscht sein: Alfred steht allein auf weiter Flur mit seinen kleinen Elfenfreunden. Vorschlag zur Güte: Wir lassen ihn da draussen weiter mit unsichtbaren Wesen reden und suchen uns einen besseren Namen für Ihren kleinen Kobold.

ALINA

Dieser Vorname ist über mannigfaltige Umwege aus Adelheid (althochdeutsch: von vornehmem Wesen) entstanden. Schon mal doof. Der Name zeichnet sich allerhöchstens dadurch aus, dass man den Anfangsbuchstaben beliebig auswechseln kann und trotzdem noch über einen voll funktionsfähigen Namen verfügt. Alphabetisch: Alina, Belina, Celina, Delina, Elina, Felina. Das geht immer so weiter. Ziemlich einfallslos.

AMELIE

Die fabelhafte Welt der Amelie war im Jahr 2001 ein veritabler Kassenschlager in den europäischen Kinos. Ein Mediziner wird Ihnen über die Welt der Amelie etwas weniger Wunderbares erzählen: Amelie ist nämlich die verschärfte Variante der Dysmelie und bezeichnet nicht wie diese die angeborene Schädigung von Gliedmassen, sondern deren komplettes Fehlen. Nein, die Welt der Amelie ist nicht so schön.

ANDERS

Eine sehr verstörende Namensform von Andreas, die sowohl in Dänemark wie in Deutschland beheimatet ist. Sie führt zwangsläufig zu Missverständnissen, von denen hier ein besonders häufiges in Form eines kurzen Dialogs vorgestellt werden soll:

Wie heisst du?
Anders.
Anders als was?
Nicht anders, ich heisse Anders.
Ja, aber wie?
Anders halt.
Ach, verpiss dich, Arschloch.

ANDREA

Dieser Name heisst übersetzt «die Mannhafte». Das passt, denn Andrea ist gar kein Mädchenname. Er wird hier trotzdem als weiblich angeführt, weil er in Deutschland ausschliesslich so benutzt wird. Auf Italienisch ist die weibliche Form von Andrea Andreina. Wieder was gelernt. Übrigens: Mit anderen italienischen Namen ist das ganz ähnlich. Unter anderem Gabriele und Simone sind dort ebenfalls Männern vorbehalten. Deswegen heissen auch so wahnsinnig viele italienische Frauen Maria – es sind einfach kaum noch andere Namen übrig.

DAS GESCHLECHT

Es ist wichtig, dass bei einem Kind das Geschlecht ersichtlich ist. Ganz generell sowieso, aber auch im Vornamen. In Zeiten von Metrosexualität und Unisex-Mode ist diese Regelung sehr sinnvoll, und auch der Gesetzgeber sieht es so vor. Der Polizist möchte gern wissen, ob er seinem langhaarigen Gegenüber einen Strafzettel ausstellen muss oder es zum Kaffee nach Dienstschluss einladen kann, und da ist ihm der Vorname eine grosse Hilfe. Das nur als ein Beispiel.

Auch unter Berücksichtigung des Kindeswohls ist die Möglichkeit zur klaren geschlechtlichen Zuordnung wünschenswert. Ein heranwachsendes Mädchen leidet Qualen, wenn es für einen Jungen gehalten wird, und andersherum gilt das genauso; mit dem einen Unterschied, dass dem Jungen noch nicht einmal die Möglichkeit zur Verfügung steht, die geschlechtliche Identität mit einer Brustvergrösserung noch vor der Volljährigkeit klarzustellen.

Deswegen untersagt der sorgende Staat unbedachten Eltern, ihr Kind mit einem allzu ungefähr-androgynen Erstnamen auszustatten. Beispiele gefällig? Maria geht nicht für einen Jungen, ebenso die italienischen Andrea und Gabriele. Sascha wird auch ungern gesehen, ebenso Kim, darüber hinaus Albernheiten wie Trixi, Foxi u.Ä. Mindestens brauchen Sie für diese onomastischen Zwitter einen geschlechtlich eindeutigen Zweitnamen. Dann dürfte jedes Standesamt tolerant entscheiden. Sollten Sie sich unsicher sein, wie sie diese erkennen, liefert Ihnen dieses Buch hier noch eine Eselsbrücke: Auf -ette, -ine und -ella endende Namen sind weiblich, männlich hingegen alle auf -heinz und -bert.

ANDREAS

Andreas ist ein langweiliger Name für langweilige Menschen. Kein Wunder, bedeutet er vom griechischen andros abgeleitet nichts anderes als «Mann». Beliebiger geht es wirklich nicht. Wie auch immer: Andreas, Everybody’s Darling seit dem Mittelalter und absoluter Kassenschlager in den Siebzigern, ist über die Jahre zu einem extrem unmodischen Namen geworden. Das wurde aber auch Zeit.

ANINA

Ein Jäger mit Gazelle zagt im Regen nie. Oder: Trug Tim eine so helle Hose nur mit Gurt? Am schönsten: Erika feuert nur untreue Fakire. Sie wissen es sicher – diese Sätze sind alle Palindrome. Und Anina ist einer der längsten Namen, die sich vor- wie rückwärts lesen und sprechen lassen (der Ursprungsname dieser Verkleinerungsform, Anna, ist auch ein Palindrom). Das mag manchen Eltern ein Argument sein, weil sie es amüsant finden und etwas zu erzählen haben, wenn sie bei Freunden eingeladen sind und das Gespräch stockt, da man sich wegen der Kinder nur noch so selten sieht und sich nichts mehr zu sagen hat. Trotzdem ist von diesem Namen abzuraten: Wenn Sie schon ein Palindrom haben wollen, dann machen Sie’s richtig und nehmen Sie einen Doppelnamen: für Mädchen Anita-Tina und für Jungs Leon Noel. Diese Kombinationen sind zwar so richtig hässlich, aber um Schönheit ging es Ihnen ja nicht.

ANSELM

Anselm (germanisch ans = Gottheit + althochdeutsch helm = Helm) ist ein Name, der auf Schwierigkeiten mit dem Dativ schliessen lässt, vor allem bezüglich Singvögeln.

ANTINA

Ein Name wie falsch gescrabbelt. Eine Steilvorlage für jeden Legastheniker. Entstanden als ostfriesische und holländische Erweiterung aus Anna, oder aus Versehen. Die überwiegende Mehrheit, die mit diesem Namen zu tun hat, wird Antina für einen Rechtschreibfehler halten und ihn stillschweigend zu Anita korrigieren, was dazu führen wird, dass Antina regelmässig ihre Interkontinentalflüge verpasst, weil im Reisebüro wieder was schiefgelaufen ist.

ANTJE

«Frau Antje bringt Käse aus Holland» lautete jahrelang ein bekannter Slogan aus der Fernsehwerbung. Und tatsächlich ist Antje als weitere Nebenform von Anna ein holländischer Name. Auch das Niederdeutsche kennt ihn: So war das Walross Antje das Maskottchen des NDR, bis man ihr 2001 kündigte, weil sie als nicht mehr zeitgemäss galt. Heute vermarkten auch die Niederlande statt Gouda Kräuterzigaretten. Doch in unserer Vorstellung wird uns Frau Antje, das behaarte Gesicht mit den riesigen Hauern unter einer weissen Haube und den massigen Körper grazil auf dem Hollandrad ausbalancierend, bis in alle Ewigkeiten Käse bringen. Ja, Antje ist ein wunderbarer Name für dicke Mädchen mit gewaltigen Schneidezähnen – alle anderen lassen bitte die Finger davon.

APHRODITE

Nicht zu verwechseln mit Afro-Dieter (Dieter), dem freundlichen Alkoholiker von gegenüber mit Neigung zu schwarzen Kraushaarperücken. Aphrodite hingegen ist die griechische Göttin der Liebe und Schönheit. Von solchen bildungsbürgerlich prahlerischen Namen bekommen Kinder Neurosen (die Eltern haben sie schon).

ARBOGAST

Arbogast ist ein alter deutscher Name, er bedeutet im Althochdeutschen «der fremde Erbe». Rätselhaft. Es kann den eigentlichen Erben nicht gefallen haben, wenn da ein hergelaufener Kerl all den Goldschmuck einsackte. «Hallo, ich bin Arbogast, ihr habt mich noch nie gesehen, aber ich bin der verschollene Sohn eures Vaters. Das da gehört mir. Das da auch.»

ARIEL

Nicht der grosse Bruder von Arielle, der Meerjungfrau. Nein, dieser Ariel ist, auch wenn sein Name so schön klingt, weniger niedlich als die kleine Nixe, die so reizend singen kann. Ariel ist ein Engel, aber vergessen Sie weisses Nachthemd, Kerze und blonde Locken, wir sprechen hier von einem Dämonenbezwinger allererster Güte, dem «Feuerherd Gottes» (hebräisch), dem löwenköpfigen Bestrafer und Zornesengel! Wie dieser Name zur Waschmittelmarke werden konnte, entzieht sich jeder Kenntnis. Der Autor hat bei der Internetseite der Firma nachgeschaut und es nicht herausfinden können. Man kann sich den Zusammenhang nur so vorstellen: Wenn Ariels bluttriefendes Schwert mal wieder seine Arbeitskluft verschmutzt hatte, wäre er froh gewesen, auch unterwegs die roten Flecken rauszubekommen, und zwar mit Hilfe von Ariel Pocket und der innovativen Acti- Lift-Technologie.

ARIELLE

Arielle, die kleine Fischmutantin. Die singende Makrele. 1-a-Kandidatin für Magnetos X-Men. Eine kleine Info bezüglich Meerjungfrauen: Sie sind heimtückisch und ziehen Menschen (vornehmlich Männer) mit sich ins Wasser, wo sie sie ertränken. Ob sie während dieses schmutzigen Geschäfts Disney-Lieder singen oder nicht, spielt zumindest für die Opfer erst einmal eine eher untergeordnete Rolle. Davon wird Ihre Tochter natürlich nichts wissen wollen, sich für eine verzauberte Prinzessin halten und verwöhnt bis dorthinaus Ihr Erspartes für Lillifee-Schrott auf den Kopf hauen, bis Ihre Altersvorsorge von den Ansprüchen Ihres Töchterchens zerfetzt ist wie ein Entenküken von einem Schwarm Piranhas, um bei der Wassermetapher zu bleiben.

Quelle:
Copyright © 2013 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

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