Kinderwunsch und Psyche

Wenn Paare ungewollt kinderlos bleiben, bekommen sie oft so einiges zu hören: man solle sich doch nicht so verkrampfen, die Sache möglichst locker angehen und auch mal an was anderes denken, denn sonst sei ja klar, dass es einfach nicht klappen will.

Manche Paare wissen einfach nicht mehr weiter

Was stimmt wirklich?

Spielt die Psyche dabei wirklich eine tragende Rolle? Wird man womöglich „mir nichts dir nichts“ schwanger, wenn man „es“ einfach mal ganz nebenbei probiert und sich nicht mehr ganz so sehr darauf versteift? Zumindest hört man immer wieder von Paaren, die es jahrelang probieren und als sie den Kinderwunsch dann für sich abgehakt haben, hat es urplötzlich doch noch geklappt. Also scheint doch wohl etwas Wahres dran zu sein an der These?

Ja und nein. Immerhin ist es auch gar nicht so einfach, auf Kommando den Kinderwunsch einfach zur Nebensache zu erklären und die Sache stattdessen nun „ganz locker“ anzugehen. Je mehr Zeit ins Land geht, desto mehr und inniger wird der Wunsch vor allem bei den Frauen werden, denn jedes Mal wenn es wieder zur Blutung kommt, ist die Enttäuschung einfach zu gross. Man konnte jedoch bei Untersuchungen keinen direkten Zusammenhang feststellen nach dem Motto: mehr Gelassenheit bringt schnelleres schwanger werden. Es ist vielmehr so, dass psychischer Druck und Stress beim Mann und auch bei der Frau zu Störungen im Hormonhaushalt führen kann und dies wiederum wirkt sich verständlicherweise negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Will sagen, dass Paare, die seelisch ausgewogen sind – trotz intensivem Kinderwunsch – und eine harmonische, ausgeglichene Beziehung führen mit Ruhephasen aber auch vielen Gemeinsamkeiten – günstigere Voraussetzungen haben für eine Schwangerschaft.


Austausch mit anderen suchen

Was kann man denn aber nun konkret als Paar tun, dass es erst gar nicht so sehr zum psychischen Stress kommt? Auf jeden Fall sollten sich Kinderwunschpaare von vornherein klar machen, dass man normalerweise nicht gleich bei den ersten zwei oder drei Versuchen schwanger wird und dass es überhaupt nicht aussergewöhnlich ist, wenn es erst nach einem Jahr oder gar noch längerer Zeit „klappt“. Wer also gleich von vornherein realisiert, dass es etwas dauern kann, gerät nicht gleich nach wenigen Wochen unter Druck. Dauert es dann womöglich doch deutlich länger, kann es hilfreich sein, sich in entsprechenden Hilfegruppen oder im Internet auszutauschen. Jede dritte Frau wartet länger als ein Jahr auf eine Schwangerschaft! Man ist also keineswegs damit alleine. Bei manchen Paaren wird der Kinderwunsch so übermächtig, dass man sich „ohne“ gar nicht mehr vollwertig vorkommt oder auch das Leben gar keinen Sinn mehr zu machen scheint. Hier hilft es manchmal, einen Plan B bereitzuhalten. Wenn es nicht klappt, dann wollen wir viel reisen, dann werden wir unsere Wohnung schön einrichten und so weiter. Ebenso, dass das Leben ohne Kind sehr wohl auch einen Sinn hat – nur einen anderen. Ausserdem sollten sich Paare ganz klar die Frage stellen, warum sie sich ein Leben ohne Kind nicht vorstellen können – sieht die Frau das als ihre alleingie Aufgabe an, ein Kind aufzuziehen? Hat sie ohne Kind womöglich zu wenig Selbstbewusstsein? Ist man als Paar ohne Kind nicht vollwertig? Und warum? Wenn alles nichts hilft, bleibt der Gang zur psychologischen Beratungsstelle oder aber zum Kinderwunschbehandlungszentrum. Hier kann zwar vielen Paaren geholfen werden, die Gefahr ist aber durchaus vorhanden, dass die Betroffenen übersteigert grosse Hoffnungen hinein setzen und danach womöglich wiederum enttäuscht werden. Als letztes bleibt die Frage, ob vielleicht eine Adoption eine Alternative wäre.



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