Pubertät oder wie umarme ich einen Kaktus

Eben noch lag der Nachwuchs bei uns im Bett und hat fürs Leben gerne gekuschelt, und jetzt ganz plötzlich findet er Küsse eklig, abschreckend und vor allem eins: peinlich.

Die Wandlung vom süssen, verschmusten Kleinkind übers Schulkind bis hin zum Teenager empfinden viele Eltern als ganz schön anstrengend, frustrierend und auch teilweise verletzend.

Aber wie war es denn bei uns früher? Wollten wir eigentlich mit 12 oder 13 Jahren noch von unseren Eltern abgeholt und noch schlimmer öffentlich geknuddelt oder gar „Schatz“ genannt werden? Wohl kaum. Also, Ruhe bewahren: diese Ablehnungshaltung ist ganz normal. Beim einen Kind kommt sie früher, beim anderen später. Aber wohl alle Teenager haben das gemein, dass die Eltern irgendwann nur noch uncool und eben voll peinlich sind. Eine Mutter, die ihr Kind nebst Freunden im Auto transportiert und lauthals bei der Musik im Radio mitsingt? Also das geht gar nicht! Voll peinlich, so was! Ja, und dann hat man eben manchmal das Gefühl, wenn man sein vor kurzem noch kleines „Baby“ umarmen will, dass man eher einen Kaktus umarmt.

Das ist der Lauf der Dinge

Die Kinder werden zu Jugendlichen und wollen sich so langsam aber sicher von ihren Eltern distanzieren – fühlen sie sich doch selbst schon quasi erwachsen. Und also bitte, da ist Schmusen mit den Eltern einfach nicht drin. Schon gleich gar nicht, wenn dann auch noch Freunde einen dabei „erwischen“ könnten! Zurückhaltung von Seiten der Eltern ist da angesagt. Obwohl natürlich manchmal – andererseits – auch Teenager ein Bedürfnis nach Nähe haben. Bei Mädchen wird dies dann oft von den engsten Freundinnen aufgefangen.


Für die Eltern gilt in dem Fall: zulassen, wenn man merkt, der Junior möchte sich ablösen und geht auf Distanz und zuhören, wenn es Probleme gibt, Zeit haben und Unterstützung anbieten.

Wichtig ist in dieser Zeit, mit seinem Nachwuchs im Dialog zu bleiben. Wer schon vorher einen guten Draht zu den Kindern hatte, dem dürfte dies während der Pubertät eher gelingen. Es gibt ja sogar die Meinung, wer sein Kind bis zum 12ten Lebensjahr nicht erzogen hat, hat danach verloren. Alles was bis dahin nicht geglückt ist, ist sozusagen „ums Eck“ und verlorene Liebesmüh. Daher gilt es, vorher schon in eine stabile Eltern-Kind-Verbindung zu investieren, um dann in der etwas schwierigeren Pubertät auf eine gewisse Basis vertrauen zu können.

Ganz nach dem Motto: Wenn die Kindern klein sind, gebe ihnen Wurzeln. Wenn sie älter werden, schenke ihnen Flügel.

Gehirn ist in der Umbauphase

Dennoch sind Kinder in der Pubertät teilweise unberechenbar, verletzend und äusserst kompliziert. Das liegt übrigens an der „Baustelle im Kopf“, wie Wissenschaftler so schön herausgefunden haben. Also nicht verzweifeln. Der zickige, trotzige und eigensinnige Teenager kann doch gar nichts dafür: sein Gehirn befindet sich in der Umbauphase vom Kind zum Erwachsenen und dabei läuft es leider manchmal nicht ganz so rund wie wir das gerne hätten. Bei allem Verständnis, was wir aufbringen sollten, müssen natürlich immer noch gewisse Spielregeln gelten, nicht nur für die Eltern sondern auch für den Nachwuchs. Viel mehr als früher wird ausdiskutiert, Grenzen werden ständig neu verhandelt und das alles kostet Nerven. Aber, nicht vergessen: Auch jetzt noch ist das eine Investition in die Zukunft in Richtung selbständig denkender und kritischer Mensch. Also auch wenn es einem schier den letzten Nerv raubt: immer im Gespräch bleiben und daran denken: auch die schlimmste Pubertät geht einmal vorbei unabhängig davon wann diese beginnt.



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