Babykleidung Materiallehre

Gar nicht so einfach, bei den Materialien, die es so auf dem Markt gibt, noch durchzublicken. Die Babysachen sind oftmals (leider) nicht mehr aus Baumwolle – zumindest nicht aus reiner – sondern Polyester, Polyacryl oder andere Kunstfasern sind mit beigemischt. Dies macht meistens die Herstellung etwas günstiger. Was früher Wolle war, ist heute oft aus Mikrofaser – also auch keine Naturfasern mehr.

Naturfasern sind hautverträglich und wärmeregulierend

Babykleider Material

Wichtig ist immer zu wissen, dass reine Naturfasern wie Baumwolle, Wolle, Hanf, Bambus und Seide nicht nur im Allgemeinen sehr hautverträglich sind (Wolle mit Einschränkungen), sondern angenehme Wärme abgeben, aber das Baby niemals schwitzen lassen. Und vor allem – gerade bei Neugeborenen ganz wichtig – atmungsaktiv sind, so dass es keinen Hitzestau geben kann. Der plötzliche Säuglingstod wird begünstigt durch Überhitzung – also ist gerade hier, im Bettchen, darauf zu achten, dass die Materialien natürlich sind und das Baby eben möglichst nicht schwitzt.

Wolle ist angenehmer als früher

Eine Zeit lang etwas aus der Mode gekommen ist die Wolle – die meisten von uns haben sie noch als kratzig und äusserst unangenehm in Erinnerung. Fasst man jedoch die heutigen Wolldecken oder Bodys an, wird man erstaunt sein, wie angenehm und weich Wolle sein kann.


Babybody aus einer Wolle-Seide Kombination

Gerade die Unterwäsche für Babys sollte entweder aus reiner Baumwolle sein oder aber aus Wolle. Ideal ist übrigens ein Wolle-Seide-Gemisch, hier ist der Griff noch etwas weicher und die Seide bewirkt zum einen oft, dass die Kleidungsstücke gewaschen werden können und sorgt für Weichheit und Dehnbarkeit. Hebammen schwören ohnehin meist auf Wolle beim Neugeborenen. Flauschig, warm und weich und natürlich Temperatur ausgleichend. Welches Schaf muss schon in seiner Wolle schwitzen? Wärme durch Wolle ist angenehmer als durch Kunstfasern. Ausserdem hat Wolle im Vergleich zur Baumwolle einen entscheidenden Vorteil: Nässe wird nicht festgehalten, sondern nach aussen abgeleitet – also bleibt sie immer angenehm trocken auf der Haut. Die Wollfaser selber hat Hohlräume, in denen die Luft gespeichert wird – ein ideales Wärmepolster also. Auch Bambus oder Hanf wird verstärkt gerade für Schlafsäcke verwendet. Übrigens sagt man Wolle sogar eine selbstreinigende Wirkung nach – so muss alles Wollene weniger häufig gewaschen werden, lüften reicht auch oft aus, Wolle fängt auch später an zu müffeln als Baumwolle.

Seide ist wohltuend auf wunder Haut, also beispielsweise Bourretteseide wird bei wunden Pos oder Brustwarzen verwendet.

Aus Bio-Baumwolle ungebleicht

Bei Babykleidung gilt: je weniger Kunstfasern desto besser. Und dann ist da natürlich auch noch die Herstellung: es gibt konventionelle Baumwolle, chemisch behandelte, gebleichte und ökologische. Am hochwertigsten und umweltfreundlichsten ist immer die Baumwolle, die nicht gebleicht wurde und ungefärbt bleibt. Der höchste Standard bei Baumwolle ist kbA (steht für: aus kontrolliert biologischem Anbau). Wer sich nicht sicher ist, was im neu gekauften Strampler so alles drin steckt, soll diesen vorher am besten ein paarmal durchwaschen. Rücksicht auf die empfindliche Babyhaut sollte auch bei der Waschmittelwahl genommen werden.

Allerdings sind die Kunstfasern heute deutliche hochwertiger als früher, werden anders verarbeitet und sind manchmal auf den ersten Blick oder Griff gar nicht von Naturfasern zu unterscheiden.

Schadstoffe in Babykleidung

Viele Hersteller lassen Kleider industriell herstellen weil die Produktion günstig ist und schnell geht. Oftmals sind solche industriell hergestellte Kleider schadstoffbelastet. Solche Schadstoff sind zum Beispiel Flammschutzmittel, optische Aufheller, Weichmacher wie Phthalate und immer mit dabei auch Farbstoffe. Die dünne Babyhaut, welche noch keine Abwehrstoffe und schutzbildende Hornschicht besitzen, ist solchen Schadstoffen schutzlos ausgeliefert. Über die Haut können diese Giftstoffe in den Körper gelangen und Schäden anrichten.

Chemische Weichmacher – Phthalate

Weichmachungsmittel” sind chemische Substanzen, die Kunststoffen während der Herstellung zugesetzt werden, um diese schlagfester, flexibler und geschmeidiger zu machen. Einer der meist verwendeten und gleichzeitig bedenklichsten Weichmacher ist Diethylhexylphthalat, kurz Phthalat. Obwohl es erwiesen ist, das Phthalate fruchtschädigend und fruchtbarkeitsschädigend sind, sind sie nicht gesetzlich verboten. In Babykleidung kommen diese Weichmacher etwa in Schuhsohlen oder die Sohlen von Laufsöckchen, aber ebenso gummierte Applikationen auf Bodies und Stramplern. Aber auch in Regenkleidung werden oft diese Stoffe eingesetzt. Beim Kauf von solchen Produkten sollten Sie unbedingt auf einen Hinweis wie “frei von Weichmachern/Phthalaten” achten.

Optische Aufheller und Flammschutzmittel

Es werden immer noch phosphororganische Verbindungen in Kleidung gefunden – ein Stoff, der bei der Herstellung in grösseren Mengen als Flammschutzmittel eingesetzt wird, jedoch schon in deutlich geringeren Konzentrationen ein Nervengift darstellt. Leider sind die Eltern noch oft unwissend darüber, dass die Kleidung ihres Babys häufig mit Weissmachern belastet ist. Diese Stoffe machen den Effekt aus, indem sie Stoffe weisser aussehen lassen, als sie in Wirklichkeit sind. Problematisch ist, dass sich die optischen Aufheller nicht besonders fest an die Baumwollfasern binden und somit durch den Körperschweiss abgelöst werden und auf der Haut zu Allergien führen können.

Optische Aufheller und Weichmacher sind in handelsüblichen Waschmittel und Weichspülern sehr häufig vertreten.

Bedenkliche, künstliche Farbstoffe

Wie schön bunt und mit süssen Motiven die Babykleider doch in den Regalen liegen. Leider sind aber auch heutzutage noch bedenkliche Farbstoffe im Einsatz, die den Eltern die Freude an den hübschen Farben nehmen. Bei Tests werden immer wieder Babykleider gefunden, deren Schadstoffgehalt als gesundheitlich problematisch anzusehen ist und manchmal sogar gegen geltende Gesetzgebung verstossen. Besonders bedenklich ist dies, wenn die belasteten Kleider direkt und lange auf der Haut getragen werden, wie es etwa bei Kinderpyjamas, Babyschlafsäcken oder Bodies der Fall ist.

So genannte Dispersionsfarben, die beim Kontakt Allergien auslösen können sind früher oft in Kleidung gefunden worden. Noch bedenklicher sind die Azofarben, das sind synthetische Farbstoffe, die bei geünstigen Herstellungskosten überaus leuchtene Farben ergeben. Diese Art von Farbstoffen werden zur Färbung von Textilien, aber auch zum Einfärben von Fetten und Ölen, Wachsen, Stroh, Holz und für Papier eingesetzt. Wenn Azofarben über die Haut in den Körper gelangen, können sie giftige oder Krebs erregende aromatische Amine, Benzidin oder 2-Naphthylamin, freisetzen. Diese Farbstoffe sind gesetzliche verboten. Mann kann man also davon ausgehen, dass die Kleidung keine Azofarben oder Dispersionsfarben enthält. Eine einfache Möglichkeit, diese schädlichen Farbstoffe nachzuweisen, ist jedoch leider nicht verfügbar.



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