Der Zusammenhang von Motorik und Lernprozessen

Der enge Zusammenhang zwischen Bewegung, Erfahrung und dem späteren Lernen ist den meisten Eltern nicht bekannt. Wahrnehmungsleistungen bzw. Wahrnehmungsstörungen und Motorik hängen eng zusammen und entwickeln sich im gleichen Zeitraum. Ohne Bewegung werden bestimmte Wahrnehmungsleistungen nicht entwickelt. Ein Kind, das sich gesund entwickelt, macht jeden Tag viele Erfahrungen mit seinem eigenen Körper, es wird dadurch immer geschickter und dies beeinflusst die positive Entwicklung seines Gehirns. Auf der anderen Seite braucht es die entsprechende Wahrnehmung für motorische Fähigkeiten. Das Gehirn und seine Strukturen und Vernetzungen werden durch Bewegungen angeregt.

Motorische Fähigkeiten

Motorische Fähigkeiten

Wissenswertes über Motorik

Motorik beginnt im Mutterleib

Die motorische Entwicklung hat einen grossen Einfluss auf die Lernfähigkeit. Die motorische Entwicklung beginnt bereits im Mutterleib. Nach der Geburt folgen die so genannten frühkindlichen Reflexe, welche dem Kind erste Bewegungsmuster im Zusammenhang mit der Schwerkraft zur Verfügung stehen. Gleichgewicht und Körperbewegungen werden koordiniert. Typische Übungen im motorischen Lernen sind das Anheben oder Drehen des Kopfes, das Zusammenführen der Hände und Füsse, dann folgt das Krabbeln lernen. Die Entwicklung der frühkindlichen Reflexe wird durch wiederholtes Üben automatisiert und in die Motorik eingegliedert. Bei vielen Kindern mit Lernstörungen lassen sich diese Reflexe immer noch auslösen, was bedeutet, dass sie noch nicht genügend in die sich weiter entwickelte Grobmotorik eingebaut werden konnten. Diese Reflexe wirken sich meistens störend auf diverse Bewegungen aus.

Die Krabbelphase

Die Krabbelphase ist wohl eine der bedeutendsten Entwicklungsphasen im Kleinkindalter. Erlebt ein Kind nicht ausreichend diese wichtige Phase oder überspringt sie sogar, ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Wenn ein Baby nicht krabbelt, dafür aber schon sehr früh stehen und laufen kann sind Eltern oft stolz darauf, wie zügig ihr Kind in seiner Entwicklung voranschreitet. Nur allzu oft ist dies aber eher ein Grund zur besonderen Vorsicht.


In der Krabbelphase werden die wichtigen Überkreuzbewegungen bzw. das Überkreuzen der Körpermittellinie eingeübt. Beim Kreuzen der Mittellinie entwickelt sich unter anderem die Fähigkeit, später Buchstaben schreiben zu können. Kinder, die diese Linie nur mit Schwierigkeiten überqueren können, zeigen sehr häufig auch eine unruhige Augenbewegung, wenn sie mit den Augen einen bewegten Gegenstand über die Körpermitte hinweg verfolgen sollen.

Mangelnde Bewegungsangebote in den entscheidenden Jahren verhindern die ausreichend starke Bildung der Entwicklungsreize und Vernetzung der rechten und linken Hirnhälften. Dies führt zu einer ungenügenden Ausnutzung der individuellen Möglichkeiten fürs spätere Lernen.

Mehr Bewegung – besseres Lernen

Es steht heute ausser Frage, dass die Motorik an Lernprozessen beteiligt sein muss, wenn Lernen und die Entwicklung des Gedächtnisses stattfinden sollen – dies gilt für alle Menschen jeglichen Alters.
Dazu kommt noch, dass sich die Lebensbedingungen stark verändert haben. Bis vor ein, bis zwei Generationen konnten die Kinder in einer natürlichen Umgebung aufwachsen und mit all ihren Sinnen Erfahrungen sammeln. Dadurch war es gewährleistet, dass sie zu neurologisch gesunden Menschen heranwachsen konnten. Zu dieser Zeit musste man keine Angst haben, wenn die Kinder alleine nach draussen spielen gingen. Bei all den heute möglichen Gefahren sieht das ganz anders aus. Auch gab es früher viel mehr Platz zum Spielen und freiem Herumtollen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass viele heutige Eltern selbst schon so aufgewachsen sind, dass sie kein gesundes Körperbewusstsein entwickeln konnten und durch die mangelnde Erfahrung motorisch ängstlich sind. Es liegt auf der Hand, dass sie diese Ängstlichkeit an die Kinder weitergeben und ihnen nichts zutrauen. Wenn es Eltern gelingt, dieses Verhaltensmuster zu ändern und Vertrauen in das Körpergeschick ihres Kindes entwickeln, werden sie beobachten, wie es immer geschickter und selbstsicherer wird. Und genau diese Selbstsicherheit ist später die Basis für erfolgreiches Lernen in der Schule.

Wahrnehmungsstörungen können auftreten, wenn das Kind nicht genügend Gelegenheit hat, Erfahrungen mit seinem Körper und seiner Umwelt zu machen. Dies kann zum Beispiel auch dann geschehen, wenn ein Kind durch eine schwere Krankheit lange Zeit im Bett liegen muss. Doch auch ein ungünstiges, soziales Umfeld oder eine falsche Vorstellung, wie und wodurch sich die kindliche Entwicklung positiv entwickelt, kann sich ungünstig auswirken.



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